Was ist Schematherapie?

Die von Jeffrey Young entwickelte Schematherapie ist ein integratives Psychotherapieverfahren, das verschiedene Theorien und Techniken in einem einheitlichen, neurobiologisch fundierten Konzept vereint. 

In der Schematherapie werden dysfunktionale Verhaltens- und Beziehungsmuster als Folgen früherer Verletzungen und deren Bewältigungsstrategien verstanden. Schematherapie eignet sich in erster Linie zur Therapie schwerer Persönlichkeitsstörungen und hat sich dabei in mehreren kontrollierten Studien als wirksam erwiesen (z.B. Giesen-Bloo et al., 2006). 

Das Schemamodell
 

unterscheidet 18 kognitiv-emotionale Schemata, die aus der Frustration von Grundbedürfnissen entstanden sind. Als menschliche Grundbedürfnisse postuliert Young:

  • sichere Bindung (beinhaltet Sicherheit, Stabilität, Fürsorge, Liebe und Akzeptanz)
  • Autonomie, Kompetenz und Identitätsgefühl
  • die Freiheit, Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken und deren Bestätigung
  • Spontaneität und Spiel
  • realistische Grenzen und Selbstbeherrschung.

Werden in der Kindheit oder Jugend diese Grundbedürfnisse frustriert, entwickeln Menschen unterschiedliche Bewältigungsstrategien, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung durchaus funktional und überlebenswichtig sind  –  sogenannte Bewältigungs-Modi

  • Erdulden 
  • Vermeidung und 
  • Überkompensation 

Diese Bewältigungsmodi sind als „Notlösungen“ im weiteren Lebensverlauf oft zunehmend hinderlich, da sie die Verhaltensspielräume stark einengen und zu einer hohen, kostenintensiven Belastung führen können.

Ziel der Therapie ist es zum einen, die aktiven Schemata und Modi (Muster) zu identifizieren und biografisch einzuordnen sowie im zweiten Schritt eine aktive Verhaltensänderung zu bewirken. Dabei kommen kognitive, emotionsfokussierte und behaviorale Interventionen und eine besondere, fürsorgliche therapeutische Beziehungsgestaltung („limited reparenting“) zur Anwendung.